Make Noise Not War online exhibition in autumn 2014 at schau.gallery a series of gif and sound works accompanied by two texts of Annermarie Rennert and Lars Werner. Make Noise Not War by Annemarie Rennert Geht los. Krasses Rauschen. (Kommt da jetzt noch was?) (Soll das einfach so ein Störgeräusch sein?) (Passt ja auch irgendwie zum Krieg.) Irgendwie genial! (Reicht aber jetzt auch.) Guter Beat, so mit den Kreisen. (Ist das Herzklopfen?) Ah, geht nochmal von vorn los. (Atmet da wer?) (Na klar – Atem und Herztöne!) (Nicht schlecht.) Abgefahrene Kombi mit dem Bach. (Wir gucken hier auf Plätschern und anderswo ist Krieg.) (Ist der Bach hier, deutscher Wald?) (Egal.) Stimmt, genau so ist das. Wie geil! Die Rakete orgelt sich durchs All! (Muss ich die Musik kennen?) (Was war das doch gleich?) Krieg der Sterne. (Hat damit wahrscheinlich nichts zu tun, aber echt geiles Bild!) Okay. Die Spirale läuft ewig weiter. (Kann man aber echt nicht ewig hinschauen.) (Was ist das für ein Summen?) (Huuuhuuuhuuuu.) Ja klar, man wird verrückt, der ewige Krieg, dreht sich im Kreis. Genau! Da passt der Kopf gleich perfekt dazu. Unter Klingelbeschuss. (Soll das vom Jahrmarkt sein?) Rein, raus, wieder rein, wieder raus. (Oder ist das wieder wie die Weltraumorgel?) So fühl ich mich auch manchmal, genau so, wie gestreifter Brei, von diesem ganzen Scheißlärm. Und jetzt? Zieht man die Kopfhörer ab und schaltet die Kiste aus, weil die Flut der Eindrücke auch Krieg ist? Oder kommt, nach ein paar Bildern und Tönen, die Einsicht, dass unser Lärm doch reinster Luxus ist? Man könnte jetzt betroffen sein, irgendwie. Auch darüber, dass wir, da kann man sich ruhig mal zusammenzählen, Produzent und Rezipient, dass wir also Zeit haben für derlei Spielereien. Was aber soll man damit machen? Sich schuldig fühlen? Wir haben schließlich auch Probleme, es ist doch nicht unsere Schuld, dass hier kein Krieg herrscht. Man tut doch, was man kann. Informiert sich, sieht hin, all die schrecklichen Bilder in der Zeitung, im Netz, im Fernsehen, man spricht darüber, fühlt mit, ist betroffen. Aber es ist doch wirklich auch kein Zuckerschlecken, hier, im Wohlstandsdeutschland, im Westen überhaupt. Doch, doch – Kunst darf und soll uns, wie man sagt, zum Nachdenken anregen. Kurz auch mal verstimmen, damit können wir umgehen, das gehört dazu, man will sich der Welt wirklich nicht verschließen. Und natürlich kämpft man sich durch den Deutungsbereich und fragt sich, was der Künstler einem sagen will. Das, unter Auferbietung allen Wissens, aller Empathie, aller Anteilnahme an allem. Eine Weile zumindest, bis man sich zurück ins Eigene wirft, werfen muss, es ist doch wirklich auch kein Zuckerschlecken, hier, im Wohlstandsdeutschland, im Westen überhaupt. MAKE NOISE NOT WAR. Ah, das war’s jetzt. Auf jeden Fall echt gute Message. Ist angekommen. (Oder?) (Sollen wir da jetzt Lärm machen?) (Make love not war gibts doch auch, aber der Krieg hat doch nichts mit Liebe zu tun?) Weißes Rauschen. Was wäre, würde man alle Kriegsschauplätze dieser Welt mit weißem Rauschen bespielen? (Zu trivial, diese Frage?) (Immerhin - damit bespielten Ratten beruhigt es den auditiven Cortex, es legt sie am Ende ganz lahm.) (Lärm wird auch vom Menschen als weniger laut empfunden, wenn das weiße Rauschen darüber lagert.) (Beruhigten sich auch Waffen?) Der blaue Montag. Da kommt es her, da geht es rein. (Ich sitze am Montag vor dem Rechner, du am Dienstag. Oder sitzt irgendwo, stehst, gehst, liegst. Einerlei. Es sind der Herzschlag und das Atmen immer da.) Hier also geht es los, mit diesem ungehörten Rauschen. Der Bach hingegen ist gut zu vernehmen. Rauscht da friedlich durch eine bayrische Landschaft (und man kann sich kaum vorstellen, dass inmitten der Idylle irgendwann einmal Köpfe rollten). Man sieht den Bach und hört Syrien. (Der doppelte Boden, auf dem wir stehen – könnte man sich so vorstellen?) Das zur Geschichte. Und was kommt? Ariane. Ariane in immer neuen Versionen, verschlingt mehrere Milliarden Euro (während Millionen Menschen nicht einen haben!) und bringt Gutes über die Menschheit. Unsere teure Ariane also stürzt auf die Erde, begleitet von B A C H. (Sollte man erklären, das B-A-C-H Töne sind, das musikalische Kreuzmotiv?) (Bach schrieb, Musik sei zu Gottes Ehre nur und zur „Recreation des Gemüths“.) Ariane prallt mitten in die Hochkultur. (So sieht’s aus, in die wohlig warme, kriegsferne Hochkultur.) Auf der Erde derweil das schöne Rondo. Ein Gassenhauer seit Jahrhunderten. Das Vertraute der Wiederholung macht uns glücklich, schüttet Dopamin aus. (Was vermittels Magnetresonanztomographie heute vermessen wird.) (Der Durchschnittswert sagt, wie durchschnittlich glücklich wir sind.) So hört sich unser Glück dann in der Komposition aus fMRT Geräuschen an. Und weil wir alle individuell sein wollen, individuell unglücklich auch, summt wer dazwischen. (Im Kriegsrondo summt niemand dazwischen.) (Der Durchschnittswert des Leidens – kann man sich den einzelnen Menschen überhaupt noch vorstellen, einen, der Dopamin aus Angst ausschüttet?) Rezeption - Perzeption - Apperzeption. So geht der Klang ins Gehirn. Und kommt heraus – als? (Muss ich den Klang mit Worten unterstützen?) (Ist nicht Hören das bessere Sehen?) MAKE NOISE NOT WAR. (Was wäre, würde man alle Kriegsschauplätzen dieser Welt mit weißem Rauschen bespielen?)
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